Der Stress kommt von innen
Warum Weihnachten uns triggert – und was wirklich dahintersteckt
Von Gernot Blümel
Weihnachten stresst dich – jedes Jahr aufs Neue? Vielleicht liegt es weniger am Fest als an dir selbst. Dieser Text zeigt, warum die Feiertage wie ein Spiegel wirken, der uns unsere eigenen Muster, Überforderungen und Unklarheiten gnadenlos zurückwirft – und wie du daraus ein echtes, wohltuendes Fest machst, das zu dir passt.
Weihnachten als Spiegel: Warum das Fest unsere wunden Punkte trifft
Wie jedes Jahr im Dezember – man könnte fast schon von einer Tradition sprechen – geht das Gejammere über Weihnachten los. Vor allem bei meinen männlichen Schülern. Hier die Top 5 Dinge, die besonders gern beklagt werden:
1. „All das aufgesetzte, aufgeblasene, übertriebene „Blinke-Blinke“ geht mir auf die Nerven!“
2. „All das Geld, das für sinnlose Geschenke ausgegeben wird! Hat doch eh jeder alles, was er braucht! Ich wüsste gar nicht, was ich mir wünschen sollte!“
3. „Die vielen Weihnachtsfeiern und Treffen mit Leuten, die ich nicht mag – furchtbar!“
4. „Der ganze Wahnsinn und die Hektik! Von wegen: besinnliche Zeit …“
5. „Das viele Essen, das viele Trinken… ich bin schon voll, wenn ich nur daran denke!“
Und dann gibt es noch einige andere Punkte, über die fleißig gelästert wird. Aber ist nun wirklich Weihnachten schuld an der miesen Stimmung? Ich denke nicht. Vielmehr spiegelt diese Zeit des Jahres unser Leben im Allgemeinen wider, konzentriert auf ein paar wenige Feiertage. Und wenn einem das eigene Unvermögen so geballt vor Augen gehalten wird, kann das leicht zu heftigen weihnachtlichen Ausrastern führen.
Es ist nicht Weihnachten, das uns nervt, sondern wir nerven uns selbst.
Warum nervt einen denn das ganze „Blinke-Blinke“? Weil es nicht echt ist. Weil es übertrieben ist. Weil es uns stresst, weil es eine Maskerade ist. Und was zeigt uns das? Dass uns in Wirklichkeit etwas anderes fehlt: das Echte. Ruhe. Stille. Keine Lichterkette mit 3000 Lampen, die uns stroboskopartig in die Netzhaut hämmert. Wir bräuchten meistens einfach eine Kerze oder ein kleines Feuerchen im Kamin. Und das nicht nur zu Weihnachten, sondern das ganze Jahr über.
Es ist unser eigenes Unvermögen, für Ruhe und Stille, für Besinnlichkeit und das Echte zu sorgen, das uns aufregt.
Warum regen wir uns über sinnlose Geldausgaben auf? Weil einem Teil in uns bewusst ist, dass wir das das ganze Jahr über machen: Wir geben Geld, das wir oft nicht haben, für Dinge aus, die wir nicht brauchen. Aber zu Weihnachten stresst uns das dann besonders – weil es eben alles noch einmal komprimiert und verstärkt ist.
Es ist unser Unvermögen, zu unterscheiden, was wir wirklich brauchen, das uns aufregt.
Warum ärgern uns die weihnachtlichen Treffen mit Kollegen, Freunden, Bekannten und teils auch Verwandten? Weil wir auch das ganze Jahr über Kontakte pflegen, die uns – sagen wir es, wie es ist – auf den Sack gehen. Nur, dass es jetzt halt der Weihnachts-Sack ist.
Es ist unser Unvermögen, bewusst unsere zwischenmenschlichen Kontakte zu wählen, was uns aufregt.
Was uns wirklich fehlt: Ruhe, Echtheit und klare Entscheidungen
Warum stresst uns die Hektik um Weihnachten so sehr? Weil uns vor Augen geführt wird, dass wir die meiste Zeit des Jahres wie die Irren durch unser Leben hetzen, uns stressen und permanent auf der Jagd sind.
Unser Unvermögen, den Druck rauszunehmen und für Ruhe und Entspannung zu sorgen, ist es, was uns stresst.
Und die Gelage? Die stressen uns, weil wir in Wahrheit das ganze Jahr über schon zu voll sind. Nicht nur mit Essen und Trinken. Sondern mit allem. Die meisten von uns leben in der glücklichen Lage, dass wir von allem mehr als genug haben. Nicht nur das: Meistens haben wir von allem sogar zu viel.
Es ist unser Unvermögen, das ganze Jahr über hin und wieder zu „fasten“, auf etwas zu warten, auf etwas zu verzichten, was uns ärgert. Und dann geben wir der Weihnachtsgans die Schuld?
Mein Vater war ein Spezialist darin, Weihnachten zu verderben. Als ich klein war, habe ich das nicht verstanden. Heute weiß ich aber, dass es nie um Weihnachten an sich ging, sondern um seine eigenen Themen. Um all die Dinge, bei denen er auch das restliche Jahr über nicht in der Lage war, sie auf die Reihe zu bekommen. Und das hat sich dann am 24. Dezember Luft verschafft.
Wie du Weihnachten zurückholst: Selbstverantwortung statt Festfrust
Und was machen wir nun mit der Info? Wir machen Weihnachten wieder zu dem, was es ist: ein Fest der Freude! Und das liegt ganz allein an jedem von uns.
Du willst kein „Blinke-Blinke“? Du willst das Echte? Dann mache das! Du selbst musst die
Atmosphäre schaffen, die du erleben willst – nicht nur zu Weihnachten, sondern wann
immer es dir möglich ist. Und wenn du nur allein in einem dunklen Raum sitzen möchtest,
mit einer Kerze vor dir – dann tue es.
Du willst keine sinnlosen Geschenke kaufen? Dann mache dir Gedanken darüber, was du
Sinnvolles schenken kannst. Du selbst bist gefragt, nicht deine Kreditkarte!
Du willst dich nicht mit Leuten treffen, die du nicht leiden kannst? Dann verzichte darauf!
Schenke dir das selbst zu Weihnachten! Auf deine widerwillige Anwesenheit können die
anderen in Wahrheit auch verzichten. Triff dich mit denjenigen, die dir am Herzen liegen und
nicht mit denen, die es von dir erwarten.
Und das Wichtigste: Gib Weihnachten wieder einen Sinn – einen Spirit.
Ja, ja – ich weiß: An etwas zu glauben, ist nicht mehr in. Aber vielleicht ist es ja gerade das,
was dich am meisten stresst: dass du keinen Glauben, keinen Sinn mehr sehen kannst.
Dein Glaube muss nicht religiös sein. Es reicht schon, wenn du nur an das Wort
Nächstenliebe denkst. Vielleicht geht es zu Weihnachten gar nicht so besonders um dich,
sondern um das Leuchten in den Augen deiner Kinder. Um die Überraschung im Gesicht
deiner Partnerin. Um die gemütliche Atmosphäre, die du erschaffst. Um das Beisammensein mit deinen Lieben und das bewusste Draußenhalten von Dingen, die in deinem Leben nicht
eine so große Rolle spielen sollten.
Vielleicht geht es auch einfach darum, dass du dich fragst, was dir dieses Weihnachten über
deine generelle Art deiner Lebensweise verrät und was du tun könntest, um glücklicher zu
werden. Eventuell kannst du aus all dem, was dich an Weihnachten stört, erkennen, dass du
selbst es bist, der tief in sich drinnen mehr zu bieten hat als Maskerade, Stress, Hektik und
Geldausgeben. Vielleicht ist genau das das Geschenk, um das es geht.
Frohe Weihnachten!





Du hast zu 100? recht!
Man muss das nur noch umsetzen.
Alles Liebe für dich und deine Familie!
Luise