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Modegeschichte (Teil 6): Abschaffung der Kleiderzwänge

Mode im 18. Jahrhundert

Mode im 18. Jahrhundert

Mode zwischen Revolution, Industrie und der Geburt des modernen Gentleman

Das 18. Jahrhundert war eine Zeitenwende – politisch, gesellschaftlich und modisch. Während sich in Europa alte Machtstrukturen langsam auflösten, veränderten Maschinen, neue Ideale und bürgerliches Selbstbewusstsein auch die Art, wie Menschen sich kleideten. Mode wurde weniger höfisches Spektakel und entwickelte sich Schritt für Schritt zu etwas, das wir heute wiedererkennen würden: funktional, stilbewusst und Ausdruck einer individuellen Haltung.

Gerade für die Herrenmode war diese Epoche entscheidend. Denn zwischen Französischer Revolution, industriellem Fortschritt und britischer Eleganz entstand das Fundament des modernen Gentleman-Stils.

Industrie und Pragmatismus: England als Vorreiter

In England bewirkte die beginnende industrielle Revolution Mitte des 18. Jahrhunderts eine gesellschaftliche Umschichtung. Die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, sowie die Arbeitsverhältnisse und Lebensumstände veränderten sich tiefgreifend und dauerhaft. Ausschlaggebend dafür war das beginnende Maschinenzeitalter, das eine höhere Produktionsquote ermöglichte und somit die Wirtschaft in Schwung brachte. Dies wirkte sich auch auf die Mode aus, die nun praktisch sein musste, um bei der Arbeit nicht zu behindern.

In Paris dagegen löste die Französische Revolution erst zum Ende des 18. Jahrhunderts die Vorrechte des Adels ab und passte sich, auch in der Mode, den praktischen Bedürfnissen des Bürgertums an. Die freien Bürger schafften die vom Adel auferlegte Kleiderordnung ab und bevorzugten bequemere Kleidung, wie sie in England bereits getragen wurde. Das Bild der Mode pendelte sich nach 1789 somit neu ein. Das alte politische System wurde durch ein neues ersetzt und Paris und der französische Hochadel waren nicht mehr der Orientierungspunkt der Gesellschaft. Nur wer seine Treue zum französischen Hof demonstrieren wollte, trug weiterhin die traditionelle Hofkleidung.

Die Zeit des Gentlemans

Im frühen 19. Jahrhundert entwickelte sich der Typus des Dandy, dessen Urvater der Engländer Beau Brummel war. George Bryan Brummel, wie sein bürgerlicher Name war, behauptete selbst von sich täglich fünf Stunden zum Anziehen zu benötigen. Er bevorzugte elegante Kleidung und schöne Halstücher. Sein Stil fand viele Anhänger. Dandys machten Eleganz zum Lebenszweck, fielen aber nie auf. Sie hatten die besten Schneider, trugen die perfektesten Schnitte und die feinsten Stoffe. Ihre Krawatten saßen immer makellos und sie benahmen sich darüber hinaus auch noch einwandfrei.

Die Kniehosen der Herren wurden seit der Französischen Revolution durch die langen Röhrenhosen (Pantalons) ersetzt, der Dreispitz durch den Zylinder. Die Herrenmode ähnelte in vielen Zügen der Damenmode. Die Taillen waren hochgerutscht und der Eindruck der Nacktheit, der auch in der Damenmode so wichtig war, wurde erzeugt, indem die hautengen Pantalons vollständig bis zur Taille zu sehen waren, die Westen kurz und die Jacke vorn vollständig ausgeschnitten war.

Die Befreiung vom Korsett

Die Revolutionstracht der Frauen, die aus Rock und Jacke bestand, wurde später durch Hemdkleider (Chemise) im Empire-Stil abgelöst. Die klassische Chemise ist ein hemdähnliches Kleid aus so feinem Gewebe, dass sie durchscheinend ist. In Frankreich trugen extravagante Damen unter den dünnen Kleidern hautfarbene Trikots, während in Deutschland meist ein Gewand aus festem Gewebe, wie Seidenatlas, dessen Farbe durch das zarte Kleid schimmerte, daruntergezogen wurde. Schleifen, Bänder und zu viel Schmuck, wie Armbänder und Ohrringe, die früher durchaus auch von Herren getragen wurden, kamen nun aus der Mode.

Die Französische Revolution hatte in der Kleidermode alle Zwänge beseitigt. Man hatte sich von der steifen Mode des 18. Jahrhunderts mit ihren Krinolinen und schweren Seidenstoffen befreit. Nach dem Vorbild antiker griechischer Gewänder wollte man sich ungezwungen in Kleider hüllen, unter denen der Körper nicht unter einem Korsett oder Drahtgestell zu leiden hatte.

Der Trend „zurück zur Natur“ war jedoch nicht von langer Dauer. Schon wenige Jahre später ging die Mode zurück zu ihren unbequemen Wurzeln und behielt diese noch lange bei.

Fazit: Der Weg zur klassischen Eleganz

Das 18. Jahrhundert markiert den Übergang von opulenter Hofmode zu jener zurückhaltenden Eleganz, die wir heute mit dem Begriff Gentleman verbinden. Industrie, Revolution und gesellschaftlicher Wandel machten aus Kleidung ein Statement der Persönlichkeit statt des Standes.

Aus den prächtigen Gewändern des Barock entstand nach und nach der klare, strukturierte Stil, der im 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt finden sollte. Und genau deshalb lohnt sich der Blick zurück: Viele Regeln moderner Herrenmode – perfekte Passform, feine Stoffe, ruhige Eleganz – wurden bereits damals geschrieben.

Weiterlesen:
Die Geschichte der Mode (7): 19. Jahrhundert

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Kommentare (8)

  1. Julien
    Nov. 30, 2021

    echt richtig nice würde diese abstrakte mode heute auch nochmal feiern spaß hs

  2. Marsela
    Nov. 10, 2013

    wann kommen die restlichen Epochen? :)

  3. Peter
    Juni 18, 2013

    schick

  4. toni
    Jan. 13, 2012

    heii, echt gute seite hat mir weitergeholfen ich kann die seite nur empfehlen..:)

  5. Michelle
    Okt. 18, 2011

    Hallo,
    ich bin auf der suche nach einem buch über die mode im 18 JH. Hat da vll jemand eine Idee oder Vorschlag für mich? =)

    Vielen dank schon mal im vorraus.

    LG Michelle

  6. Jan. 13, 2011

    Klasse Artikel, mal wieder was dazu gelernt, weiter so ;-)

  7. Jan. 12, 2011

    Hey,
    sehr schöner Blog. Schau doch mal bei unserem Gewinnspiel vorbei, da gibts nen tolles Outfit zu gewinnen.
    LG

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