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Modegeschichte (Teil 7)

Mode im 19. Jahrhundert

Mode im 19. Jahrhundert

Zwischen Romantik, Industriellem Fortschritt und der Geburt des modernen Anzugs

Das 19. Jahrhundert markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Modegeschichte. Mit der Industrialisierung verlor Kleidung ihre klare Funktion als Standesmerkmal und wurde zunehmend zum Ausdruck von Persönlichkeit, Geschmack und sozialem Aufstieg. Mode entwickelte sich zu einem Mittel der Selbstinszenierung – und legte zugleich die Grundlage für die moderne Herrenbekleidung, wie wir sie heute kennen.

Mode ohne Standesgrenzen

Während Kleidung vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert eng an gesellschaftliche Hierarchien gebunden war, löste die Industriegesellschaft diese Grenzen zunehmend auf. Privilegien bei Stoffen, Farben oder Schnittformen verschwanden, Mode wurde breiter verfügbar und zum sozialen Wettbewerbsfeld zwischen den Schichten. Erstmals konnten sich Menschen unabhängig von ihrer Herkunft modisch kleiden.

Die Natürlichkeit hatte ihren Reiz verloren

Der Empire-Stil, mit seinen natürlich geschnittenen Kleidern, hatte seine reizvolle Wirkung bald verloren. Die Stoffe verloren wieder ihre Transparenz und die Dekolletés wurden kleiner. Die Korsetts des letzten Jahrhunderts wurden von der Mode wieder aufgegriffen. Im Biedermeier-Stil des 19. Jahrhunderts bestanden die Kleider der Frauen wieder aus weiten, knöchellangen Röcken mit engen Oberteilen. Als Neuheit waren die Kleider in dieser Zeit mit, zum Teil riesigen, keulenförmigen Ärmeln versehen. Dazu trugen die Frauen in der Regel einen sogenannten Schutenhut, der unter dem Kinn gebunden wurde. Die Modekonventionen waren zu der Zeit stark von der Romantik, mit ihren gefühlsbetonten Impulsen und ihrer Sehnsucht nach vergangenen Epochen beeinflusst.

Der Beginn der Haute Couture

An den adligen Höfen Europas entstand ein neues Rokoko mit kostbaren Hofkleidern. Die Taillen wurden immer schmaler und die Röcke immer weiter. Der Rock erhielt Mitte des 19. Jahrhunderts (wie schon im späteren 16. Jahrhundert) einen Reifrock, die sogenannte Krinoline, die durch den Designer Charles Frederick Worth propagiert wurde. Die Entwicklung von Stahldraht, die erheblichen Fortschritte in der Textilindustrie und der Einsatz von Nähmaschinen führten zu einem immer größer werdenden Umfang der Krinoline und somit auch dem der Röcke. Die Bürgerinnen legten Wert auf exklusive Kleidung und ahmten den höfischen Stil nach. Modemacher, wie Worth und Poiret gaben nun den Ton an und die ersten Vorläufer der heute noch exklusiven Haute Couture-Modelle erschienen.

Der erste Schritt zu mehr Bequemlichkeit in der Frauenmode

Ein Schritt hin zur „bequemeren“ Mode, war die Veränderung der Krinoline. Deren Volumen wurde auf der Vorderseite stark reduziert, was den Damen ermöglichte, näher an den Tisch heranzutreten oder auf ihren Gesprächspartner zuzugehen. Der lange Rock wurde nun über dem Gesäß aufgebauscht getragen. Dies wurde durch den Halt einer Unterkonstruktion namens Tournüre gewährleistet. Dazu trugen die Damen geschnürte Halbstiefel und am Abend Halbschuhe mit Absatz. Das beliebteste Schmuckstück zu dieser Zeit war die Brosche aus unterschiedlichsten Materialien.

Die Männermode trat in den Hintergrund

Die Herrenmode der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte verschiedene sachliche Mantelformen, wie den Raglan, dessen besonderer Schnitt an den Ärmeln das An- und Ausziehen erleichtern sollte. Für den Tagesanzug kamen Sakko, Cutaway und Smoking als charakteristische Jacken- und Mantelformen auf. Männer tragen dunkle Anzüge, die in ihrer Grundform bis heute fast unverändert geblieben sind. Männer sind nun weniger modisch, sondern seriös gekleidet, und demonstrieren ihren Wohlstand stattdessen durch die aufwendige und teure Mode ihrer Frauen und Töchter.

Diese Zurückhaltung in der Männermode wird sich noch bis zum Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts halten. Dennoch gab es auch viele gravierende Veränderungen in der Mode sowie in der Gesellschaft. Die zwei Weltkriege konnten die Entwicklungen in der Mode nur kurz bremsen. Aber neue Modeschöpfer und die Unterteilung der Modeherstellung in Haute Couture und Prêt-à-porter sorgten für ein modisch sehr abwechslungsreiches 20. Jahrhundert.

Fazit: Das Jahrhundert, das unsere Garderobe formte

Das 19. Jahrhundert war eine Ära der Gegensätze: üppige Frauenmode auf der einen Seite, zurückhaltende Herrenbekleidung auf der anderen. Doch genau in diesem Spannungsfeld entstand der Stil, den wir heute als klassisch empfinden.

Die Herrenmode wurde klarer, funktionaler und zeitloser – und legte damit den Grundstein für den modernen Anzug. Gleichzeitig entwickelte sich die Modebranche zu einer eigenständigen kulturellen Kraft.

Wer heute einen dunkel geschnittenen Anzug trägt, trägt letztlich ein Echo dieser Epoche: den Moment, in dem Kleidung begann, weniger über Herkunft zu erzählen – und mehr über Persönlichkeit.

Weiterlesen:
Die Geschichte der Mode (8): Mode zu Beginn des 20. Jahrhunderts

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Kommentare (4)

  1. TheFashionlog
    Apr. 13, 2023

    Ich fand diesen Artikel über die Geschichte der Mode im 19. Jahrhundert wirklich faszinierend! Es ist erstaunlich, wie sehr die Stile und Trends aus dieser Zeit die Mode bis heute beeinflussen. Als jemand, der Mode liebt, schätze ich auch die Liebe zum Detail und die schönen Illustrationen in diesem Artikel. Danke fürs Teilen!

  2. […] Ge­schich­te der Mode: Mode im 19. Jahr­hun­dert. gentleman-blog.de (08/2021).[…]

  3. GlennRhee
    Jan. 26, 2017

    Diese Website ist wirklich äußerst hilfreich! Ich liebe diese Zeit der Mode!

  4. Juni 29, 2011

    Interessant wie sich die Mode in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Jedoch bin ich echt froh, dass sich die Zeiten geändert haben. Ich finde die Kleidung aus diesen Jahren echt noch viel zu spießig und frage mich, warum man nicht schon viel früher auf angenehme und trotzdem gut aussehende Kleidung gekommen ist.

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