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Modegeschichte (Teil 5): das 17. und 18. Jahrhundert

Mode im Barock- und Rokoko-Zeitalter

Mode im Barock- und Rokoko-Zeitalter

Wie die Herrenmode ihren modernen Ursprung zwischen Pracht, Macht und Eleganz fand

Wer heute an einen klassischen Gentleman denkt, hat meist einen zurückhaltenden Anzug mit klaren Linien und diskreter Eleganz vor Augen. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt: Die Herrenmode war nicht immer leise. Im Barock- und Rokokozeitalter wurde Stil zelebriert – mit Perücken, Spitze, Absätzen und Stoffen, die heute wie Bühnenkostüme wirken. Gleichzeitig entstanden in dieser Epoche überraschend viele Elemente, die den Grundstein für die moderne Männermode legten.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg übernahm Frankreich die politische und kulturelle Führung Europas. Unter Ludwig XIV., dem legendären Sonnenkönig, wurde Mode zum Instrument der Macht. Seine Hofhaltung in Versailles setzte neue Maßstäbe – nicht nur für Etikette und Sprache, sondern auch für Kleidung. Wer dazugehören wollte, kleidete sich französisch. Damit begann eine der schillerndsten Phasen der europäischen Modegeschichte.

Versailles als Laufsteg Europas

Der Hof Ludwigs XIV. war weit mehr als ein politisches Zentrum – er war eine Bühne. Kleidung diente dazu, Hierarchien sichtbar zu machen und die eigene gesellschaftliche Stellung zu demonstrieren. Je aufwendiger das Outfit, desto klarer die Botschaft.

Die höfische Mode prägte bald ganz Europa. Besonders an den deutschen Fürstenhöfen versuchte man, nicht nur das französische Benehmen, sondern auch die äußere Erscheinung zu imitieren. Die Stoffe wurden opulenter, die Schnitte aufwendiger und die Farben kräftiger. Dabei standen die Männer den Damen in Sachen Pracht kaum nach.

Wie sich Männer- und Frauenmode annäherten

Im Barock des 17. Jahrhunderts näherten sich die Mode von Männern und Frauen stark an. Beide Geschlechter trugen breite, mit Spitze verzierte Schulterkragen, sogenannte Krösen, sowie reich dekorierte Stoffe.

Die Herrenmode löste sich vom strengeren spanischen Stil und wurde leichter und eleganter. Übermäßig gepolsterte Wämser verschwanden zugunsten erster anzugähnlicher Formen: lange Jacken mit breiten Aufschlägen und offenen Vorderseiten sowie knielange Hosen aus dem gleichen Stoff.

Hier ist bereits ein wichtiger Schritt in Richtung moderner Silhouetten erkennbar: Struktur und Ensemblebildung wurden wichtiger als die reine Rüstungshaftigkeit der Kleidung.

Die Allongeperücke: Macht auf dem Kopf

Kaum ein Kleidungsstück symbolisiert diese Epoche stärker als die Allongeperücke. Ludwig XIV. machte sie am Hof zur Pflicht – angeblich, um seine eigene Kahlköpfigkeit zu kaschieren. Ob Legende oder Wahrheit: Die Wirkung war enorm.

Die schwere, lockige Perücke stand für Würde, Status und Autorität. Darunter wurde das echte Haar kurz getragen oder sogar abrasiert. Während die Oberschicht auf kunstvoll gefertigte Perücken setzte, ließen Männer aus den unteren Schichten ihr Haar lang wachsen, da Perücken für sie zu teuer und im Alltag unpraktisch waren.

Was heute feminin wirkt, galt damals als Ausdruck männlicher Macht und kultivierter Erscheinung.

Farben, Absatzschuhe und die Rheingrafenhose

Elegante Herren kleideten sich im Barock farbenfroh und luxuriös. Samt, Seide und andere reich verzierte Stoffe waren selbstverständlich. Besonders auffällig waren die hohen Schuhe mit Absätzen, die Seidenstrümpfe und die teilweise stark dekorierten Hosenformen.

Eine dieser Formen war die Rheingrafenhose – eine rockähnliche Hose, die unterhalb der Knie mit Spitzenmanschetten zusammengehalten wurde. Der Look war dramatisch, bewegungsreich und geradezu theatralisch.

Später setzten sich Stulpenstiefel durch, deren weit ausgestellte Schäfte häufig mit Spitze oder feinem Batist verziert waren. Kleidung blieb ein Zeichen von Reichtum, aber auch von modischem Selbstbewusstsein.

Rokoko: Schönheit als Inszenierung

Im 18. Jahrhundert wandelte sich der Stil vom schweren Barock zum verspielten Rokoko. Alles wurde leichter und dekorativer, zugleich aber auch exzentrischer.

Die Frisuren entwickelten sich zu kunstvollen Konstruktionen. Zunächst waren es kleine, gepuderte Frisuren, später regelrechte Aufbauten, die mit Blumen, Schmuckketten oder sogar Miniaturschiffen geschmückt waren. Manche dieser Kreationen waren so hoch, dass sie sich an Kronleuchtern entzünden konnten.

Blasse Haut galt als Statussymbol und war ein Zeichen dafür, dass man nicht im Freien arbeiten musste. Rouge, Lippenfarbe und schwarze Schönheitspflästerchen gehörten zur Schönheitsroutine von Männern und Frauen gleichermaßen. Da häufiges Waschen als gesundheitsschädlich galt, überdeckte man Körpergerüche großzügig mit Parfüm.

Aus heutiger Perspektive wirkt dies überzogen, doch es zeigt, wie eng Schönheit, Hygienevorstellungen und gesellschaftlicher Status damals miteinander verwoben waren.

Männer werden dezenter – die Geburt klassischer Eleganz

Interessanterweise wurde die Herrenmode im Laufe des Rokoko wieder zurückhaltender. Schleifen, Volants und Rüschen verschwanden nach und nach oder wurden dezenter eingesetzt.

Der typische Look bestand nun aus:

  • einem knielangen Mantelrock (frock coat)
  • einer Weste
  • engen Kniehosen (Culotte)
  • hellen Strümpfen und Schnallenschuhen
  • Dreispitz-Hut und gepuderter Zopfperücke („Mozart-Zopf“)

Dieses Ensemble wirkt bereits überraschend strukturiert – fast wie ein früher Vorläufer des heutigen Dreiteilers. Accessoires wie Degen, Schnupftabakdose oder Lorgnon (Stielbrille) unterstrichen die gesellschaftliche Position des Trägers.

Bemerkenswert: Schon damals waren Brillen mehr als reine Sehhilfen. Sie wurden kunstvoll gestaltet und bewusst als modisches Accessoire getragen – ein Prinzip, das bis heute gilt.

Mode als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen

Die Mode des Barock und Rokoko spiegelte die hochgradig hierarchische Gesellschaft wider. Kleidung signalisierte Rang, Wohlstand und Zugehörigkeit. Gleichzeitig deutete sich jedoch langsam ein Wandel an: Die Linien wurden klarer, die Silhouetten reduzierter.

Mit der Französischen Revolution (1789–1799) endete diese Ära abrupt. Übertriebene Dekadenz galt plötzlich als Symbol des alten Regimes. Die Mode wurde schlichter und funktionaler – ein Schritt hin zur modernen Herrenmode, wie wir sie heute kennen.

Warum diese Epoche für den modernen Gentleman spannend ist

Aus heutiger Sicht mag die Mode des Barock und Rokoko extravagant wirken. Doch sie lehrt eine wichtige Erkenntnis: Stil war schon immer Ausdruck von Haltung und gesellschaftlichem Kontext.

Viele Elemente, die heute selbstverständlich sind, haben hier ihren Ursprung.

  • Das Konzept des abgestimmten Outfits
  • Die Bedeutung von Accessoires.
  • Mode als Statussymbol.
  • Die enge Verbindung von Kleidung und Auftreten.

Der moderne Gentleman setzt heute auf Zurückhaltung statt Prunk, doch die Idee, dass Kleidung Persönlichkeit und Selbstverständnis ausdrückt, stammt aus dieser Zeit.

Fazit: Zwischen Pracht und Ursprung moderner Eleganz

Das Barock- und Rokoko-Zeitalter war eine Epoche der Extreme: opulent, experimentierfreudig und manchmal überladen. Doch gerade in dieser Übertreibung entstanden die Grundlagen dessen, was später zur klassischen Herrenmode wurde.

Von der prachtvollen Perücke bis zum strukturierten Mantelrock zeigt diese Zeit eindrucksvoll, wie stark Mode immer auch ein Spiegel ihrer Epoche ist. Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis für den Gentleman von heute: Stil entwickelt sich zwar ständig weiter, doch wahre Eleganz entsteht immer aus dem Zusammenspiel von Zeitgeist, Persönlichkeit und Haltung.

Weiterlesen:
Die Geschichte der Mode (6) – Mode im 19 Jahrhundert

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Kommentare (3)

  1. Marie-Thérèse Antoinette Wituschek
    Juni 2, 2023

    Meine Frage an alle, wäre es nicht an der Zeit, eine Renaissance für Mann, Frau und drittes Geschlecht neu zu entfalten, schaut man den verstorbenen Modezar Karl Lagerfeld an, war das eine annähernde Mode die er trug die ein wenig an das Barock und Rokoko anschließt?

  2. März 25, 2013

    Da präsentieren Sie eine interessante Artikel-Serie zum Thema Geschichte der Mode. Meine liebste Mode-Perioden beziehen sich eben auf Rokoko und Barock. Ich bin der Meinung, dass die moderne Mode eben in dieser Zeit entworfen wurde, mit allen diesen französischen und englischen Einflüssen, mit dem Manteau, dem Justaucorps und der Robe.

    Grüße Anna

  3. März 16, 2013

    OK

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