Essen wie Könige
Besteck: Knigge-Regeln
Zum Besteck ist allerhand zu sagen. Benimm-Trainer Uwe Fenner erklärt im Gentleman-Blog, welche Knigge-Regeln für Besteck gelten, warum man Kartoffeln nicht mit dem Messer schneidet und wie man nach Knigge das Besteck korrekt ablegt: Welche Besteck-Position eine Esspause signalisiert, wie man anzeigt, dass man fertig gegessen hat – und woran Gastgeber und Service diese stillen Zeichen erkennen.
Allgemeine Besteck-Regeln
Gerade beim Besteck zeigt sich gute Tischkultur im Detail. Wer die Knigge-Regeln zum Besteck-Ablegen kennt, weiß, welche Besteck-Position eine Esspause signalisiert und wie man unmissverständlich anzeigt, dass der Gang beendet ist. Diese stillen Konventionen gehören zu den Grundlagen eines souveränen Auftritts bei Tisch.
Knigge: Besteck ablegen, Pausen anzeigen und fertig essen
Während einer Esspause wird das Besteck stets vollständig auf dem Teller abgelegt. Das sogenannte „Brücken bauen“ – also Messer oder Gabel halb auf Teller und Tisch zu platzieren – gilt als klarer Fauxpas.
Solange man weiteressen möchte, sieht die Knigge-Besteck-Position wie folgt aus: Die Gabel liegt auf zwanzig vor zwei, das Messer auf zwanzig nach zehn. Gabelzinken und Messerklinge zeigen zueinander und liegen leicht über Kreuz auf dem Teller.
Ist man fertig gegessen, werden Messer und Gabel parallel auf dem Teller abgelegt – klassisch in der Stellung fünf vor fünf. Diese Knigge-Besteck-fertig-Position signalisiert Service und Gastgeber eindeutig, dass man nicht weiter essen möchte.
Messer und Gabel gehören stets zusammen
In guten Häusern werden Vorspeisen mit kleinerem Besteck – Frühstücksmesser und Frühstücksgabel – serviert, während für die Hauptspeise das große Tafelbesteck vorgesehen ist. Liegen mehrere Messer und Gabeln neben dem Teller, gilt die bekannte Knigge-Faustregel: von außen nach innen.
Zwar werden stets Messer und Gabel gedeckt, doch nicht immer kommen beide zum Einsatz. Wozu man kein Messer benötigt, sollte man als Gentleman auch keines benutzen. Das gilt insbesondere für Kartoffeln, die traditionell mit der Gabel zerteilt werden – aber niemals zerdrückt. Diese Regel zählt zu den klassischen Knigge-Besteck-Regeln, die bis heute Bestand haben.
Grundsätzlich gilt: Das Messer dient ausschließlich zum Schneiden, nicht zum Schieben von Speisen auf die Gabel.
Warum man Kartoffeln nicht mit dem Messer schneidet
Diese Gepflogenheit stammt aus einer Zeit, in der Messerklingen noch nicht aus rostfreiem Edelstahl bestanden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten Messer häufig Silbergriffe und rostende Stahlklingen. Diese schnitten zwar gut, gaben jedoch bei bestimmten Lebensmitteln – etwa Kartoffeln, Spargel, Fisch oder Eiern – einen unangenehmen Metallgeschmack ab.
Um dies zu vermeiden, wurde das Schneiden solcher Speisen mit dem Messer untersagt. Die Regel hat sich bis heute gehalten und ist fester Bestandteil der klassischen Knigge-Etikette.
Eier pulen statt köpfen
Warum gilt es als unfein, ein Frühstücksei zu köpfen? Auch hier liegt der Ursprung in der Materialkunde früherer Zeiten. Nicht rostfreie Messer übertrugen ihren Geschmack auf das Ei. Feine Leute pulen ihr Ei daher bis heute mit den Fingern.
Ein angenehmer Nebeneffekt: Das Verletzungsrisiko ist deutlich geringer als beim Hantieren mit dem Messer.
Wie man Spargel (nicht mehr) isst
Früher wurde Spargel mit der Gabel gegessen und mit den Fingern nachgeschoben – eine entsprechend unappetitliche Angelegenheit. Aus diesem Grund gehörten Fingerschalen, sogenannte Fingerbowlen, zur Pflichtausstattung. In den mit Wasser und Zitronenscheiben gefüllten Schälchen wusch man sich anschließend die Hände.
Heute ist diese Praxis glücklicherweise aus der Mode gekommen. Spargel wird selbstverständlich mit Messer und Gabel gegessen – eine zeitgemäße Anpassung der Knigge-Regeln.
Spezialbesteck für Meerestiere
Für Fisch existierte früher häufig spezielles Fischbesteck. Fischmesser bestehen aus Silber oder versilbertem Metall, sind kürzer und breiter und laufen vorne spitz zu, um Gräten anheben zu können. Fischgabeln besitzen vier Zinken, wobei der mittlere Zwischenraum tiefer eingeschnitten ist. Der Fisch wird eher gehoben als aufgespießt.
Zum Hummer gehören spezielle Hummergabeln – lange, schmale Werkzeuge, mit denen das Fleisch aus den Gliedmaßen gezogen wird.
Für Krebse gibt es Krebsmesser mit kurzen Klingen und einem kleinen Loch, dessen Funktion bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Manche vermuten eine Hilfe zum Knacken der Beine, andere sehen darin lediglich ein dekoratives Element.
Tischverhalten: Besteck-Etikette über den eigenen Teller hinaus
Es gibt auch Benimm-Regeln, die über den eigenen Teller hinausgehen (lesen Sie dazu auch: „Wie isst man was“). Wichtig ist: Nie mit dem eigenen Besteck aus Gemeinschaftsschüsseln oder von Platten nehmen. Dafür nutzt man stets das bereitliegende Servierbesteck. Fehlt dieses, bittet man darum.
Ebenso wichtig: Mit dem Besteck nicht gestikulieren. Wer länger spricht, legt das Besteck nach Knigge korrekt auf dem Teller ab.
Kleines Besteck-FAQ
Wie legt man Besteck nach Knigge in einer Esspause ab?
In einer Esspause wird das Besteck vollständig auf dem Teller abgelegt. Die Gabel liegt auf zwanzig vor zwei, das Messer auf zwanzig nach zehn. Beide liegen leicht über Kreuz – niemals halb auf Tisch und Teller.
Welche Besteck-Position zeigt nach Knigge an, dass man fertig ist?
Ist man fertig gegessen, werden Messer und Gabel parallel auf den Teller gelegt – klassisch in der Position fünf vor fünf. Diese Knigge-Besteck-Position signalisiert eindeutig: Der Gang ist beendet.
Darf man Besteck auf dem Tisch ablegen?
Nein. Nach Knigge gehört benutztes Besteck stets auf den Teller. Das Ablegen auf Tischdecke oder Tischkante gilt als unhöflich und unhygienisch.
Warum ist die Besteck-Position nach Knigge wichtig?
Die Position des Bestecks ist eine stille, aber klare Form der Kommunikation mit Service und Gastgeber. Sie zeigt an, ob man pausiert oder fertig gegessen hat – ganz ohne Worte.
Der Beitrag basiert auf dem Buch „Erfolgreich mit Stil“ von Benimm- und Karriere-Coach Uwe Fenner.





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Herrn Uwe Fenner, Leiter des Instituts für Stil und Etikette, Gentlemen-Blog
Sehr geehrter Herr Fenner,
ich habe Ihre Knigge-Besteck-Regeln mit Interesse gelesen. Sind die vor einigen hundert Jahren unter anderen Umständen formulierten Regeln heute noch in „besseren Kreisen“ und in der Gastronomie allgemein bekannt, werden sie heute dort noch beachtet? Darüber sind doch sicherlich schon längst fällige Erhebungen angestellt worden. Deren Ergebnis interessiert mich.
Denn viele Regeln von damals sind längst überholt (z.B. Kartoffeln schneiden und Eier köpfen mit nicht rostfreien Messern).
Mit freundlichen Grüßen Franz Hubert Timmermann
Sehr schöner Beitrag. Hat mir viele meiner Fragen beantwortet und mich inspiriert.
Ein wunderbarer Artikel!
Die Geschichte mit dem Geschmack von Stahl an zum Beispiel der Kartoffel oder dem Ei war für mich neu. Ich hatte mich schon oft gefragt, warum man ein Ei pulen und nicht köpfen sollte. Jetzt weiß ich’s. Vielen Dank :)
Super Artikel. Hat mir sehr weitergeholfen. Finde das immer recht kompliziert mit der Anordnung. Lg Jannik
wenn man fertig ist legt man das Besteck doch in die 20 nach 4 Stellung oder nicht?(dort liegt das Besteck parallel) Von einer 5 vor 5 Stellung habe ich noch nichts gehört.
mfg